„Die Medien nähren die Menschen nicht, sie ernähren sich von ihnen. Deshalb zeigen sie nicht die Wahrheit, weil die Wahrheit sich nicht mit Marketing verträgt.“  Olivero Toscani Wer?

Value Marketing – der dunkle Schatten der Gesellschaft

Es gibt ja kaum etwas, das nicht statistisch erfasst und analysiert wird. Wenn wir über Größe sprechen, sind wir in den USA sicherlich nicht verkehrt.
In den 50er Jahren betrug die Größe einer durchschnittlichen amerikanischen Wohnung 84 Quadratmeter. Die heutige Größe liegt nahezu beim dreifachen und beträgt 213 qm – obwohl die Durchschnittsfamilie kleiner geworden ist. Die „Familienpackung“ eines Softdrinks hatte eine Größe von 0,68 Liter. Eine heutige Einzelportion in Durchschnitt 0,59 Liter. In der gleichen Zeit hat sich übrigens die Größe des Bagels verdoppelt: Von 85 zu 198 Gramm.
Das ist aber durchaus kein amerikanisches Phänomen: In Australien sind 12 der 20 bestverkauften Schokoriegel „King Size“ und bspw. in UK haben 34% neuer Familienhäuser 4 Schlaftzimmer -natürlich auch bei fallender Haushaltsgröße.
 
In den letzten 20 Jahren hat hier eine dramtische Entwicklung stattgefunden, sagt Peter Whybrow (University of California, Autor des Buches American Mania). Er argumentiert das, zum erstenmal in der Geschichte, die Menschen jede Form von Einschränkungen und Zwängen einfach hinweggefegt haben. Persönlicher Profit geht über alles und Eigeninteressen über alle sozialen Verantwortungen.
Value Marketing ist im Grunde genommen nur die Konsequenz daraus. Diese Verkaufstechnik sagt uns „ein bischen mehr bezahlen für größeren Gegenwert ist besser für Dich“. Es sagt uns „Sei kein Idiot, nur Idioten nehmen die „Big-option“ nicht an!“ – Wir kennen das alle: Das Big-Menue bei Mc Donalds, „Kauf zwei, nimm drei“ im Warenhaus etc.
Der Architekturkritiker Deyan Sudjic glaubt das diese Wohnungen und Häuser ein Aussage „sozialer Kompensation“ sind: Für das Leben darin, wofür wir aber zu beschäftigt sind - Für die Kinder darin, die wir aber nie sehen. Sie sind, so sagt er, „equivalent zu den Grüften der Ägypter“ Sind aber natürlich auch eklatante Signale des Erfolgs.
„Die Gesellschaft verliert ihre Struktur, Menschen definieren sich selbst hauptsächlich danach was sie besitzen.“ sagt Whybrow. „Unser soziales Verhalten ist nicht als solches angeboren und kann daher in ein paar Generationen verloren gehen.“, warnt er. Was bleibt ist „reine tierische Natur“, reines Selbstinteresse.
Aber noch ein paar Zahlen:
1985 waren lediglich 2% der verkauften Autos in den USA  SUVs, heute sind es 25%. (In Europa übrigens 5%) – Völlig ungeachtet der Tatsache das lediglich 5% der SUVs jemals off-road genutzt werden und SUVs eine höhere Rate bei Unfällen mit Todesfolge aufweisen.
Die durchschnittliche Portion Pommes in den USA hat (von 1955 bis 2005) 200% an Gewicht zugenommen. Der „Originalburger“ mit Pommes und COla hatte 590 Kalorien. Eine moderne Variante kann 1550 Kalorien liefern (Quelle: Y. & Nestle ‘95)
Nun wissen wir natürlich auch, dass „bigger“ nicht immer „better“ ist. Wir wissen das ein Drittel der Erwachsenen in den USA übergewichtig ist. Erstaunlicher da schon eher, dass ein Viertel der
Chinesen fettleibig ist. Rasante Diät-Wachstumsraten gibt es nicht nur in Cina, sondern auch in Indien. Natürlich hat auch das Auswirkungen: So hat sich der Preis für Coca-Cola, seit dem Peak 1990, halbiert.
 
Vor 25 Jahren wog das durchschnittliche Model 8% weniger als eine Durchschnittsfrau. Heute wiegt ein Model 23% weniger als „Ms. Durchschnitt“. (Eine junge Frau hat eine Chance von 1% so schlank zu sein)
So richtig die aktuelle Entwicklung ist, zu dünne Models vom catwalk zu ziehen, so richtig ist es auch an den Ursachen für diese Entwicklung zu arbeiten.
 
Albert Einstein sagte einmal: “Ein intelligenter Narr kann Sachen größer machen. Es braucht aber etwas von einem Genie und eine Menge Mut in die andere Richtung zu gehen.“
Werbung verkauft keine Produkte, sondern gleichförmige Lebensmodelle.“, sagt Olivero Toscani

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